UBS investiert massiv in Feminizide durch Elbit Systems

Palästinensische Frauen im Herzen des Widerstands

Ob als Binnenvertriebene oder im Exil — palästinensische Frauen sind seit jeher das Herz des Widerstands. In allen Bereichen des politischen und sozialen Lebens stehen sie im Zentrum des Kampfes1. Von der logistischen und wirtschaftlichen Organisation der ersten Intifada 1987 bis hin zur Forderungen nach palästinensischen Rechten im US-Kongress: Frauen sind das tragende Fundament Palästinas. In den Geflüchtetenlagern der Nachbarstaaten, im Westjordanland und im Gazastreifen sind sie Garantinnen der sozialen Reproduktion und der palästinensischen Kultur. Sie leiten soziale Institutionen wie Gefangenenkomitees oder Nachbarschaftshilfen. In den Grossstädten Europas und den USA haben sie den Wiederaufbau der Diaspora gesichert. Wie die Forscherin und Professorin Nada Elia zeigt, haben Frauen „hunderttausende von Zivilist:innen mobilisiert, mobile Gesundheitskliniken betrieben, geheime Schulen gegründet, als Israel die palästinensischen schloss, und Initiativen zur lokalen Selbstversorgung gestartet, damit Palästinenser:innen israelische Produkte boykottieren können.“2 Ohne die palästinensischen Frauen gäbe es Bewegungen wie BDS also gar nicht erst.

Israel greift gezielt palästinensische Frauen an

Israel hat die zentrale Rolle der Frauen in der palästinensischen Zivilgesellschaft längst erkannt – und betreibt deshalb einen massiven Feminizid, der sich seit dem 7. Oktober 2023 zusätzlich verschärft hat. Palästinensische Frauen sind nicht bloss Kollateralschäden. Sie werden innerhalb der von Israel errichteten Apartheid-Strukturen gezielt angegriffen. Nada Elia betont: „Die rassistische Kontrolle der Bevölkerung beruht speziell auf Gewalt gegen Frauen.“ Mordechai Kedar, ein ehemaliger Geheimdienstoffizier der israelischen Armee, schlug pragmatisch vor, zur Abschreckung „Frauen und Mütter palästinensischer Kämpfer zu vergewaltigen“. Auch die israelische Abgeordnete Ayelet Shaked erklärte, palästinensische Frauen müssten getötet werden, weil sie „kleine Schlangen” gebären würden.3

Die geschlechtsspezifische Dimension der Unterdrückung des palästinensischen Volkes bleibt oft unsichtbar. Dabei werden Frauen aus verschiedenen Richtungen entmenschlicht: durch Israel werden sie auf Gebärende reduziert und als demografische Bedrohung betrachtet, westliche Medien stellen sie als verschleierte, schweigende und den „Terroristen“ unterworfene Wesen dar, und Teile der feministischen Bewegungen verweigern ihnen ihre Solidarität. Diese Mischung aus zionistischer Propaganda, Islamophobie und anti-arabischem Rassismus lässt sämtliche Warnungen seitens internationaler Organisationen und rechtlicher Instanzen verstummen.

Gesundheit und Leben palästinensischer Frauen in Gefahr

Laut einem Bericht der Palästinensischen Kommission für die Angelegenheiten von Gefangenen und ehemaligen Häftlingen und der Gesellschaft palästinensischer Gefangener sind palästinensische Frauen in israelischen Gefängnissen Folter, Hunger, sexuellen Übergriffen, medizinischer Vernachlässigung und psychischer Misshandlung ausgesetzt.

Anlässlich der Weltgesundheitswoche erklärte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Harris, dass 90 % der schwangeren und stillenden Frauen im Gazastreifen unter schwerer Mangelernährung leiden und dass fehlende medizinische Ausstattung sie daran hindern würde, die notwendige Versorgung zu erhalten.

Laut dem Bericht der unabhängigen internationalen UN-Kommission vom 10. Oktober 2024 erkranken täglich alarmierend viele Frauen aufgrund fehlender medizinischer Versorgung — Israel hat das Gesundheitssystem des Gazastreifens gezielt zerstört. Die UN meldet ausserdem, dass Gaza weltweit die höchste Anzahl an amputierten Kindern pro Kopf aufweist. Diese dauerhaft behinderten Kinder sind eine zusätzliche Belastung für die überlebenden Frauen.

Zwischen dem 18. März und dem 9. April 2025 wurden laut der UN 224 israelische Angriffe auf Wohnstätten (einschliesslich Zeltlager für Vertriebene) registriert. Im gleichen Zeitraum berichtete das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, dass Israel bei 36 dokumentierten Angriffen ausschliesslich Frauen und Kinder tötete4. Benjamin Netanyahu, Bezalel Smotrich, Yoav Gallant und weitere Regierungsmitglieder haben wiederholt öffentlich ihre Absicht bekundet, das palästinensische Volk „auszulöschen“. Durch die gezielten Angriffe auf Frauen zerstört Israel den Kern und die Zukunft der palästinensischen Gesellschaft. Zudem führt Israel einen psychologischen Krieg, bei dem das soziale Gefüge so tief geschädigt wird, dass eine vollständige Vernichtung befürchtet wird — mit ein Grund, weshalb Beobachter:innen und internationale Organisationen von Genozid sprechen. Oxfam International stellt fest, dass die jährliche Zahl der von Israel in Gaza getöteten Frauen und Kinder die Opferzahlen aller anderen jüngeren Konflikte übersteigt.

Die Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Reem Alsalem, bezeichnete die Verbrechen in Gaza als „Feminizid“ und erklärte: „Das Ausmass und die Art der Verbrechen, die Frauen und Mädchen in Gaza durch die israelischen Streitkräfte zugefügt werden, sind so extrem, dass bestehende rechtliche und strafrechtliche Konzepte sie nicht mehr angemessen beschreiben können.“5

Die Verantwortung von Elbit Systems beim Feminizid

Der Rüstungskonzern Elbit Systems, der sich übrigens eines angeblich geringen ökologischen Fussabdrucks rühmt, ist der grösste Lieferant der israelischen Armee. Elbit produziert unter anderem Drohnen, Raketen und Bomben, die „im Einsatz erprobt“ seien.6 Das Westjordanland und der Gazastreifen dienen dabei seit Jahren als Versuchslabor für israelische Entwickler und die Armee, um Waffen unter realen Bedingungen in dicht besiedelten Gebieten zu testen. Seit Anfang Oktober 2023 ist dieser Markt deutlich gewachsen7. Die Waffensysteme sind aber nicht wie bei der Vermarktung behauptet an „industriellen“ Zielobjekten erprobt: laut UN-Hochkommissariat für Menschenrechte sind 70 % der in Gaza Getöteten Frauen und Kinder.8

Elbit entwickelt nicht nur offensive Waffen, sondern auch Ausrüstung für nachrichtendienstliche Zwecke. Die seit 2007 bestehende Blockade des Gazastreifens, die Überwachung, die Inhaftierungen sowie die erzwungene Vertreibung haben die palästinensische Gesellschaft erstickt — und diese Erstickung trifft Frauen besonders schwer. Bei einer Anhörung vor der französischen Nationalversammlung berichtete Hala Abou‑Hassira, Vertreterin der Mission de Palestine en France, dass die Zerstörung der Infrastruktur und des sozialen Lebens einen wirtschaftlichen Rückschritt von 69 Jahren bedeutet — ein Rückschritt, der wiederum Frauen besonders trifft. Der Bericht von Human Rights Watch „Five Babies in an Incubator: Violations of the Rights of Pregnant Women During Israeli Attacks on Gaza“ (Fünf Babys in einem Inkubator: Verletzungen der Rechte schwangerer Frauen durch israelische Angriffe auf Gaza) vom 29. Januar 2025 dokumentiert die unerträglichen Lebensbedingungen für junge Mädchen, Frauen sowie Schwangere und Wöchnerinnen.9

Am 8. März 2025, zum Internationalen Frauentag, veröffentlichte das Gesundheitsministerium in Gaza eine Mitteilung: Seit Beginn des Genozids seien 12.316 Frauen getötet und 490 Frauen inhaftiert worden, mehr als 2.000 Frauen sei eine oder mehrere Gliedmassen amputiert worden, 14.000 Frauen seien zu Witwen geworden, 1.700 Frauen hätten ein oder mehrere Kinder und 50.000 Frauen ihr Baby verloren.10

Desinvestieren. Jetzt.

Ende 2023 wurde die Welt durch eine Explosion der Gewalt gegen die Palästinensische Zivilbevölkerung erschüttert. Daraufhin erhöhte die UBS ihre Anteile an Elbit Systems im ersten Quartal 2024 um 875 %. Die Grossbank wurde damit zu einer der grössten Investorinnen des israelischen Rüstungskonzerns. Fünfzehn Monate später hat die Bank ihre Aktien nochmals verzehnfacht.

Es ist inakzeptabel, dass unser Geld weiterhin eine Industrie speist, die ethnische Säuberung ermöglicht. Lasst uns unsere UBS-Konten schliessen und ein klares Signal an die UBS und die Wirtschaftsakteure senden: Nein — die Bevölkerung akzeptiert nicht, dass ihr Einkommen von Banken ohne moralische Grenzen für kriminelle Zwecke missbraucht wird.

Hören wir auf zu ignorieren, dass die Besatzung und der Militarismus, an denen unser Staat und chweizer Konzerne wie die UBS mitschuldig sind, auch geschlechtsspezifische Dimensionen haben. Erkennen wir, dass die Dichotomie, Israel als „westlich“, „modern“ und „zivilisiert“ zu betrachten und Palästina als „rückständig“ und „bestrafenswert“ darzustellen, verantwortlich ist für das Schicksal der Frauen in Palästina.

Gehen wir über symbolische Gesten hinaus: Nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber palästinensischen Frauen wahr und handeln wir wirtschaftlich! Aus Schwesternschaft, Solidarität und Menschlichkeit: Boykottieren wir die Handelspartner Israels wie Elbit und seine Investoren — darunter die UBS! Streikfahnen an Balkonen, violette Pins und Slogans stoppen keine Kugeln… aber wirtschaftlicher Boykott hindert sie daran, abgefeuert zu werden. All diese geschlossenen Bankkonten werden die destruktive Maschine von Elbit Systems nicht länger finanzieren.

UBS muss sich von Kriegsprofiteur:innen desinvestieren. Jetzt.

1 Women at the Heart of Gaza’s Rebirth, Walaa Abu Zaiter, August 2024

2 Palestine, un féminisme de libération, N. Elia, Remue-menage, 2024, Textes traduits de l’anglais (États-Unis) par Liza Hammar et Francis Dupuis-Déri.

3 Ibid.

4 https://www.ohchr.org/fr/press-briefing-notes/2025/04/gaza-increasing-israeli-evacuation-orders-lead-forcible-transfer

5 https://www.ohchr.org/fr/press-releases/2025/07/gaza-un-expert-denounces-genocidal-violence-against-women-and-girls

6 https://www.elbitsystems.com/air-space/air-surface-munitions/bombs/mpr

7 https://fintel.io/so/us/eslt/ubs

8 https://news.un.org/fr/story/2024/11/1150406

9 https://www.hrw.org/news/2025/01/28/gaza-no-safe-pregnancies-during-israeli-assault

10 https://www.aa.com.tr/en/middle-east/2-000-palestinian-women-left-disabled-by-israeli-genocidal-war-gaza-government/3503842